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Bad Reichenhaller Geschichte(n)

Bewegende Historie.

 

Erste Daten.

Der Bad Reichenhaller Raum bildet altes Siedlungs- und Kulturland. Seit der Bronzezeit ließen sich Menschen hier fest nieder, rodeten und kultivierten die Gegend. Im heutigen Ortsteil Karlstein, wo sich ein überregional bedeutsames Kultzentrum befand, läßt sich eine seither ununterbrochene Besiedelung feststellen.

 

Salz bringt Wohlstand.

In der Folgezeit schafften diese den gesellschaftlichen Aufstieg zu einem ausgeprägten Stadtpatriziat, dessen Repräsentanten rittermäßigen Status erlangten und schließlich die Mitglieder des Stadtrats stellten. Im Jahre 1159 wird Reichenhall (Hall) urkundlich erstmals als "Stadt" (civitas) bezeichnet. Dieses 12. Jahrhundert darf für den Ort als eine erste Blütezeit gewertet werden, was sich in einer monumentalen romanischen Bautätigkeit (Basilika St. Zeno; Ägydi- und Nikolauskirche, Gruttenstein und Ummauerung der Stadt) noch heute widerspiegelt. Mit der Zerstörung der Stadt durch den Salzburger Erzbischof 1197 ging ein Monopolbruch einher, ausgelöst durch die Inbetriebnahme der Salinen von Berchtesgaden und Hallein. Zur namentlichen Unterscheidung vom neuen "kleinen Hall" (Hallein) setzte sich für die ältere Salzproduktionsstätte im Laufe des 13. Jahrhunderts die Bezeichnung "reiches Hall" (Reichenhall) durch.

 

Friedrich I. Barbarossa

Relief im romanischen Kreuzgang von St. Zeno

In einem kriegerisch geführten Konflikt zwischen dem Salzburger Metropoliten und dem Bayernherzog verstand es Letzterer, sich als Landesherr in Reichenhall durchzusetzen. Seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert bildete Reichenhall ein herzoglich bayerisches Land- und Pfleggericht mit Sitz auf Burg Gruttenstein. Im Verlaufe des Spätmittelalters kristallisierten sich innerhalb des Pfleggerichts Reichenhall mehrere Niedergerichtsbezirke (sogenannte Hofmarken) heraus: Karlstein und Marzoll (beides Adelshofmarken) sowie Froschham-St. Zeno (Klosterhofmark).

 

Die im Besitz zahlreicher Siedeherren sich befindliche Saline von Reichenhall hatte seit dem Spätmittelalter sowohl aufgrund starker Konkurrenz als auch wegen einer nur schlecht geordneten Marktstrategie einen kontinuierlichen Niedergang zu verzeichnen und lief Gefahr, in die Bedeutungslosigkeit abzusacken. Im ausgehenden 15. Jahrhundert kaufte also der Bayernherzog sämtliche Salzsiedeanlagen auf, modernisierte die Saline mit hohem Kostenaufwand (Grabenbach; Soleleitung) und sorgte dadurch für eine staatliche Monopolisierung des bayerischen Salzwesens. Die Stadtbevölkerung jener Zeit war zunftmäßig organisiert, wobei ein Großteil der Zünfte dem vielfältig spezialisierten Salinenbetrieb entstammte (z.B. "Vaher", "Pfannhauser", "Küfer", "Pfannenflicker", "Griesknechte"; "Perer").

 

Brände

Verfeuerung der Sole in der Bad Reichenhaller Saline im 18. Jh.
Der vorindustrielle Charakter Reichenhalls in der Frühen Neuzeit und die damit verbundene tagtäglich betriebene Verfeuerung der Sole verursachten eine ständige Feuersgefahr, der die Stadt mehrfach zur Gänze zum Opfer fiel. Als herzogliche bzw. kurfürstliche Grenzstadt gegen Salzburg blieb Reichenhall aber auch von kriegerischen Ereignissen nicht verschont. Das mittelalterliche Stadtgepräge - der Mauerring mit der darüber thronenden Burg, den zur Ihren Füßen liegenden Kirchen und Kapellen, die im Mittelpunkt der Stadt befindliche Saline sowie der einstmals schiffbar Fluss Saalach - blieb bis zu einem verheerenden Stadtbrand 1834 erhalten.

 

Geburt des Kurwesens

Der Wiederaufbau nach dem Brand, der immerhin Dreiviertel der alten Stadt betraf, erfolgte in Großteils mondäner Art, beginnend mit der Neuerrichtung der Salinenanlage, womit König Ludwig I. seine besten Architekten beauftragte. Der Abgleitung in eine verarmte Industriestadt entzog sich Reichenhall durch die sehr erfolgreiche Etablierung von Kuranwendungen, mit denen in den späten 40er Jahren durch eine Privatinitiative im "Curhaus Achselmannstein" begonnen wurde.

Durch das Entstehen einer von zahlreichen Villengebäuden geprägten vornehmen "Bädervorstadt" änderte sich während der Gründerzeit das Gesicht Reichenhalls von einer reinen Salinenstadt hin zum international renommierten Kurbad. Dessen Beliebtheit als mondäner Treffpunkt der europäischen Hautevollee erreichte kurz vor dem Ersten Weltkrieg einen Höhepunkt, als das Kurbad mit den großen Bädern des Kontinents konkurrierte. Aus jener Zeit stammen die meisten der Jugendstilvillen und architektonisch meisterlich geschaffenen Badepaläste.

 

1890 erlangte die Stadt durch königliche Verfügung das offizielle Prädikat und den damit verbundenen Namenszusatz "Bad". Seit 1899 ist Bad Reichenhall Bayerisches Staatsbad.

Dr. Johannes Lang M.A., Stadtarchivar

Informationen unter www.850-bad-reichenhall.de

 

Tipp:

Führungen der geprüften Stadtführer
Ein geführter Spaziergang stellt Ihnen die elegante Kurstadt mit ihren Kuranlagen, dem Gradierhaus, den vielen Brunnen und die mittelalterliche Salinenstadt mit der Geschichte der Salzgewinnung vor. Außerdem werden Themenführungen und Wanderungen für Einzelpersonen oder Gruppen, sowie Reisebegleitung bei Busunternehmen angeboten.

Details finden Sie hier: Stadtführung_neu (pdf)

 

Sie finden alle Termine in unserem Veranstaltungskalender

 

Rathausplatz2
Salinenkapelle
Kurgarten4
Zeichnung Altes Königliches Kurhaus - Höss

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