Bad Reichenhall
Sagenhaft...
Von schlafenden Hexen und steinernen Jägern:
Sagenumwobenes Staatsbad
Naturwunder, die es zu entdecken gibt, die erstaunen und bezaubern:
Die schlafende Hexe
Die schlafende Hexe war früher eine tüchtige Magd. Nicht mehr jung, hatte sie schon so manchen Zahn verloren, ging aber rüstig ihrer Arbeit nach. Da starb der alte Bauer, sein Erbe aber war ein Hitzkopf. Durch Fluchen und Schimpfen wollte er zeigen, dass er nun der Herr war. Eines Tages war es so heiß gewesen und der Jungbauer hatte sie so angetrieben, dass sich die alte Magd erschöpft hinlegen musste, um sich auszuruhen. Heftig fluchte der Bauer. Die alte Magd aber sagte zu ihm: Leck mich an Arsch, ich schlafe jetzt. Und bis zum heutigen Tage schläft sie immer noch.
(Thomabauer 1927)
Die Steinernen Jäger am Hochstaufen
Eines Sonntagmorgens stiegen zwei Jäger zum Staufen auf, um dort Gemsen zu jagen. Als sie den Grat erreichten, erklangen die Glocken von St. Zeno. Da machten sich die Jäger lustig über die Kirchengänger. Plötzlich kam ein Unwetter, der Himmel wurde schwarz und Blitze zuckten herab und die Spötter auf dem Staufen wurden zu Stein verwandelt.
(Thomabauer 1927)
Die steinerne Agnes und das Teufelsloch
Auf einer Alm wirtschaftete die bildsaubere, fromme und fleißige Sennerin Agnes. Ihre Frömmigkeit reizte den Teufel über alle Maßen und er versuchte es auf alle Weise, sie zu verführen. Bald kam er als Jäger, bald als Hirte, bald als wandernder Musikant, aber vergeblich. Sie nahm noch eine Senner zu sich in die Hütte, um nicht schutzlos allein zu sein. Um Sie nun allein zu haben, trieb er ihr einmal die Kuh weit fort von der Alm. Als Agnes sie
suchte und endlich nahe des Grates fand, stand plötzlich der Teufel vor ihr, als Wildschütz verkleidet. Sie floh vor ihm, bis sie an der Steinwand erschöpft zusammenbrach. In ihrer Seelenangst flehte sie „Hilf, heilige Mutter Gottes hilf!". Und siehe da - ihr Flehen wurde
erhört, die Steinwand öffnete sich und Agnes lief hindurch. Schon glaubte sie sich gerettet, als sie zu ihrem Entsetzten den Teufel dicht hinter sich sah. Er stürzte auf sie los, schon meinte er,
sie zu erfassen, da rannte er mit voller Wucht an einen Felsen. Der Leib der Agnes war zu Stein geworden, ihre Seele aber trugen zwei Engel gen Himmel. Die Öffnung in der Wand, die man vom Tal aus deutlich erkennen kann, heißt heute noch das „Teufelsloch".
(W.Lossen 1952)


